Reisebericht Slowenien, Triest, Ljubljana und Südsteiermark

von Julia und Ulrich Rützel, 2010

Triest, Canale Grande

19.9.2010 Abfahr mit PKW Subaru Outback
Bei strahlendem Sonnenschein vom sauerländischen Eslohe bis Aschau am Chiemsee ist auch genug. Man will ja auch geniessen und am jeweiligen Übernachtungsort herumlaufen. Oben am Schloss treffen wir auf Beamte der Bundesfinanzverwaltung. (Sozialwerk). Machen dort Urlaub. Sind aber sauer, weil Selbstverpflegung. Wir verkneifen uns zu sagen, dass wir das auch müssen und keine Steuergelder verkonsumieren können.

20.9.2010 Slovenien, Kranjska Gora, 810m
Hier übernachtet man, um am nächsten Tag die atemberaubende Strasse zum Vrši-Pass zu befahren. Natürlich wandert man da auch auf den 1.611 Metern. Die Profis halt zum Triglav Gipfel, wir Senioren auf einfachen wunderschönen Wegen mit unglaublichen Ausblicken. Berührend die kleine „Russische Kapelle“, die von den russischen Kriegsgefangenen für die vielen beim Bau der Strasse umgekommenen Opfer 1917 gebaut wurde.

21.9.2010 Slovenien, Kobaric und Drežniška
Weil es so schön war geht’s nochmals über den Vrši-Pass und wieder bei strahlendem Sonnenschein mit unglaublich schönen alpinen Eindrücken. Die durch die Bank freundlichen Touristik-Informationen in Slowenien finden für uns ein Zimmer in Drežniške Ravne, hoch in den Bergen.

Foto Copyright by Julia Rützel, 2010

Unten im Hauptdorf Drežniška beim besten Fisch dann die anekdotische Spracherfahrung: Die Nachbarn reden hörend vermeint meine Frau Julia, in der slowenischen Sprache österreichische Klangelemente zu hören. Wenngleich das historisch natürlich möglich ist und wir durch unser kleines Bauernhäuschen im Mühlviertel (1985 bis 1990) und meine früheren Tätigkeiten im österreichischen Linz (Ars Electronica, Hubert Bognermayr, Eela Craig u.a.) leicht assoziiert werden kann, handelte es sich dann doch um 100%ige Österreicher!

22.9.2010 Slovenien, Drežniška
Wir unternehmen eine grosse Bergwanderung von Drežniške Ravne ohne das Auto zu berühren 400 Höhenmeter hoch über mehrere Stunden bei strahlendem Sonnenschein zu einer Käserei auf einer Alm auf 1.200 Metern, immer den 2244m hohen Krn im Rücken.

23.9.2010 Slovenien, Šmartno
Die junge Tochter des Hauses in Drežniške Ravne erzählt uns von den Schicksalsschlägen, die ihre Eltern ab 1954 mit ihrem Haus durchmachen mussten: Drei Erdbeben und eine Lawine, davon 2 x fast Totalschaden.

Als sie von unserer Liebe zum Wein erfährt, schenkt sie uns erst einmal eine Flasche feinstem Sekt und empfiehlt uns, in DIE Weingegend Sloveniens, der Goriška Brda zu fahren, wo auch ihr Vater z.Zt. in der Ernte steckt. Wehmütig nehmen wir Abschied von unserem Plan, einen Abstecher in das einsame nordöstliche Friuli Italiens zu fahren.

In Livške Ravne können wir noch auf diese Gebiet schauen, den 1641m hohen Matajur im Blickfeld und nehmen uns vor, das nachzuholen. Denn jetzt spüren wir, dass die Entscheidung richtig war. Dieses Gebiet mitsamt dem Wein kann man nicht so einfach mal mitnehmen. Diese Landschaft erinnert uns übrigens an die vielen verlassenen Orte NO Portugals (Schiefer Häuser).

Trotz der schönen Landschaft hier (Triglav Nationalpark, Julische Alpen, Karawanken) ergreift einen immer wieder diese grauenvolle Geschichte am Ende des ersten Weltkrieges um 1917. Gerade hier um den Matajur und entlang des Soca bzw. später in Italien des Isonzo Flusses stösst man halt immer wieder auf die Relikte dieser fürchterlichen Schlachten im Hochgebirge, bei denen es um die 500.000 Tote gab.

In Šmartnov treffen wir auf unheimlich nette Menschen, die mit dem dortigen Kunstzentrum in Verbindung stehen und uns eine ihrer Künstlerwohnungen zur Verfügung stellen. Ein einfaches gutes Essen auf dem Trottoir mit viel Vino und sehr gutem Degustiv beenden den Tag. Wir ahnen bereits, dass wir daheim ärztliche Hilfe brauchen werden, wenn es so weiter geht!

24.9.2010 Slovenien, Šmartno und Schloss Duino/Italien
Heute suchen wir den näheren Kontakt zu den Freunden des Kunsthauses, übrigens hier zu finden: http://www.agency-jota.com. Sie präsentieren zu dieser Zeit eine Ausstellung von TANJA JANDL, die uns sehr begeisterte. Wir haben sogar ein Bild von ihr gekauft. Für das von mir geplante Festival „Ö-KULT-TOUR“ wird es eine Kooperation mit dem Kunsthaus geben.

Von hier geht es nach Italien zum Schloss Duino und dem berühmten Rilke Wanderweg, den wir noch soeben vor dem grossen Regen und Gewitter schaffen.  Das Schloss beherbergt eine sehr grosse Sammlung alter Gamben und andere musikhistorisch wichtige und seltene Saiteninstrumente.

Wir übernachten im italienischen Karst, in Malchina, im Agritourismo Mezzaluna. Aber die freundlichen Slowenen vermissen wir hier schon…

25.9.2010 Slovenien, Scopo
In der Nacht fällt sintflutartiger Regen, aber dann wird die Fahrt in den slowenischen Karst doch noch schön. Hier wird z.Zt. überall Hochzeit gefeiert, so dass wir kaum eine Übernachtung bekommen. Aber dieser Umstand treibt uns nach Scopo, nur etwa eine gute halbe Stunde östlich von Triest. Ein grosses Weingut mit dem dort typischen roten Terrano und u.a. einem 40%igem „Geist“ aus der Melisse, also ohne die Klosterfrau.

http://www.pri-zivcovih.com/

Soo karg ist es nun auch nicht im Karst. Zumindest Trüffel gibt es dort, die wir zu einem echt amtlichen Beefsteak geniessen durfen. Klar, nicht billig, aber wenn schon medizinische Betreuung droht (s.o.), dann soll es sich auch lohnen. Natürlich gibt’s auch Wildschweine, wo es Trüffel gibt. Lamm und Rotwild ebenso, dementsprechend fallen die Speisekarten aus.

26.9.2010 Triest
Als Ausgangsort für Triest ist Scopo ideal. Bevor wir den ersten Kontakt mit Triest bekommen fahren wir in die Tiefe, in die „Grotta Gigante“, nordöstlich von Triest. Diese riesige Kalkstein Höhle ist natürlich eindrucksvoll. Und wenn man sich überlegt, dass der italienische und slovenische Karst hunderte von Höhlen hat…!

Dann folgt die einzige grosse Fehlentscheidung dieser Reise: am Sonntag besuchen wir Schloss Miramar, nördlich von Triest. So viele Italiener und Österreicher sowie natürlich noch andere Europäer, Asiaten und Amerikaner auf einmal haben wir noch nie gesehen. Danach folgt eine sonntägliche Höllenfahrt quer durch Triest nach Muggia, einer schönen, ruhigen alten venezianischen Stadt mit Hafen und Meer. Das versöhnt.

27.9.2010 Triest/Italien
Heute gilt der ganze Tag dieser alten reichen europäischen Handelsmetropole, die sie schon seit dem ersten Weltkrieg nicht mehr ist. Aber irgendwie beinhaltet der Name Triest schon etwas von der Tristesse, die die Stadt heute ausstrahlt. Wir geniessen diesen Montag , endlich normales geschäftiges Treiben. Was Triest an Kultur zu bieten hat erspare ich mir an dieser Stelle zu erwähnen. Das kann man überall nachlesen.

Eine solche Stadt direkt am Meer mit südwestlichem Licht ist wirklich ein Erlebnis. Aber mehr und bessere Restaurants dürfte es schon geben. Nicht einmal am Piazza Unita Italia kann man essen, es sei denn man gibt ein Vermögen aus. Oder gar einen schlichten Prosecco trinken und aufs Meer schauen. Auch das ist nicht wirklich möglich. Unsere Erwartungen sind vielleicht zu hoch.

28.9.2010 Der slovenische Karst: Cerknica und sein See
An diesem Morgen geniessen wir in Triest noch den Gang zur Kathedrale und zum Castell und durch das jüdische Ghetto, um dann gemächlich in Richtung Ljubljana zu fahren. In Cerknica halt machend, finden wir über die Touristinformation ein fernab, direkt an diesem wundersamen See gelegenes Hotel. Hier sind wir für zwei Nächte die einzigsten Gäste. Ich frage die junge Frau, die das Haus managt, ob sie keine Angst habe hier in der Einsamkeit? Ihr Antwort lautet: „Sie sind ja hier“.

Dieser 36 qkm grosse einzigartige See verschwindet auch schon mal gänzlich, vor allen Dingen im August. Die vielen Höhlen im Karst sorgen für solche Naturereignisse. Zu denen gehören natürlich auch die Überflutungen dieser Region.

Wenn es mal kräftig regnet steigt das Wasser ja nicht sofort. Erst müssen die vielen Höhlen und unterirdischen Flussläufe vollaufen. Danach erst schiesst das Wasser an die Oberflächen.

Zum wandern ist diese Region sehr interessant. Und Biologen würden ausflippen. Wir geniessen das, können einige Wege nicht verfolgen, weil dort das Wasser steht und riechen die Steinpilze. Diese gibt’s abends abends zum Hirschmedaillon, wieder beim feinsten roten Terrano.

29.9.2010 Ljubljana, die Hauptstadt Sloweniens
Wir behalten unser Zimmer und fahren für einen Tag in die Hauptstadt. Welch ein Leben: von 260.000 Einwohnern gibt es 50.000 Studenden und tausende freischaffende Künstler, in einem architektonischen und kunsthistorischen Juwel. Ich werde diese Stadt und ihre künstlerischen Aktivitäten weiterhin beobachten. Und sie sicher noch einmal und etwas ausführlicher besuchen.

30.9.2010 Eibiswald am Ende der Schilcher Weinstrasse in der Süd-Steiermark
Beim Frühstück morgens in Ljubljana kommt mir Polo Hofers Lied in den Sinn: „In den Bergen fiel Regen und wir wollten endlich gehen, mit ein paar Mark und Schlafsack am Strassenrand zu stehen…“ Wir vergessen unseren Plan, noch einen Abstecher in die Steiner Alpen und Karawanken zu machen. Zu unsicher wegen der tiefhängenden Wolken. Wir düsen also direkt in die südliche Steiermark nach Eibiswald, dem südlichen Ende der wenig bekannten Schilcher Weinstrasse.

Hier gibt es diesen berühmten Schilcher Wein, einen rosé-ähnlichem spritzigem Wein, gekeltert aus der autochtonen blauen Wildbacher Rebe, der bereits so manchem prominentem Schriftsteller und Künstler zum Verhängnis wurde, die immer wieder diese Region aufsuchten. Die vielen Buschenschänken, Heurigem ähnlichen Auswüchsen, diesen Jausen mit selbstgemachtem Geselchten, was wir hoch über Eibiswald geniessen können und dem nach Schilcherwein oder noch schlimmer dem „Sturm“ folgenden Tresterbrand sind nur unter Aufsicht eines Arztes zu empfehlen.

1.10.2010 St. Ulrich im Greith und Deutschlandsberg
Noch nicht ganz nüchtern, packen wir den Wagen voll mit Schilcherwein, Weissem Burgunder, Muskatteller, dem Tresterbrand (Grappa) und dem Maschansker (Apfel-Edelbrand) sowie auf ärztliches Anraten dem Kürbiskernöl. Dann geht es nach St. Ulrich im Greith. Hier hat’s wenigstens einer der vielen Schriftsteller und Künstler, nämlich Gerhard Roth (Stiller Ozean), nicht nur krachen lassen, sondern ein spektakuläres Architekturkunstwerk der Moderne initiiert, das aus schilcherfarbenem Holz, Glas und Gneis errichtete „Kulturhaus Greith“.

Hier finden großartige Ausstellungen statt, Lesungen, Konzerte etc. Hier besuchen wir die vorzüglich kuratierte Ausstellung von Linda Wolfsgruber, einer jetzt in Wien lebenden, aber in Bruneck/Südtirol geborenen Illustratorin, die vor allen Dingen mit ihren Kinderbuch-Illustrationen bekannt ist. Die Arbeit in diesem Haus wird fast ausschliesslich von ehrenamtichen Mitarbeitern gemacht.

Wir fahren von hier aus nach Deutschlandsberg, um fern ab von der Welt oben auf der Burg die grösste je gesehene Ansammlung von Rolls Royce bestaunen zu dürfen. Offenbar ein Treffen europäischer Autoliebhaber, die noch nicht der Vernunft des Windkanals und der Treibstoffhysterie unterliegen. Abends essen wir „Karpfen in Kürbiskern-Panne“ und kosten erst Sturm dann Weissburgunder der Region. Den Arzt hatte ich ja schon oben erwähnt…

2+3.10.2010 Rückfahrt über Regensburg
Wir verlassen diese Region unwillig, aber die niedrig hängenden Wolken und der Nieselregen lassen uns keine andere Wahl; denn auch die Villa des Komponisten Alban Bergs über 800 Meter hoch bei Deutschlandsberg haben wir deshalb schon nicht gefunden. Wir rollen also diese grauenvolle Tunnelstrecke an Graz vorbei und schaffen es noch so eben bis Regensburg, wo wir uns endgültig vom Wein und unserer Gesundheit mit jede Menge Guiness verabschieden. Aber wir haben ja noch den Wagen voll….

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