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Reisebericht – Navajo Indianer in USA

On and Off the Rez

Ein Reisebericht von unserem Freund Gunter Lange, dem Gründer und künstlerischen Leiter des INDIANER INUIT: DAS NORDAMERIKA FILMFESTIVAL

Er berichtet über eine Reise zu den Navajo Indianern in USA – nach Albuquerque, Flagstaff und Ohkay Owingeh Pueblo (in der Nähe von Santa Fé, NM)

– mit Radmilla Cody, Melissa Henry, Zahn McClarnon und vielen anderen…)

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Nach einer mehrstündigen Fahrt von Albuquerque nach Flagstaff bin ich wohlbehalten im Hotel „Little America“ angekommen. Hier hatte ich mich mit Radmilla verabredet, da sie von Managern des neuen Twin Arros Casinos, das im Mai in der Nähe von Flagstaff eröffnete, gebeten wurde, eine Präsentation zu halten. Als wir uns im Foyer des Hotels trafen, konnte sie es kaum fassen, mich hier in ihrem Heimatort zu sehen.

Nach einer herzlichen Begrüßung, lud sie mich ein, an der Veranstaltung teilzunehmen. Gerne habe ich die Einladung angenommen. Radmilla stellte mich den Anwesenden vor, die mich gleich zum „Dinner“ einluden. Die Veranstaltung war zwar schon fast zu Ende (Radmillas Vortrag war leider schon vorüber), aber den Höhepunkt hatten sich die Organisatoren wohl bis zum Schluss aufbewahrt, denn als letzter Redner sprach Peterson Zah, ehemaliger Präsident (und Chairman) der Navajo Nation sowie Präsident of „Indian Affairs“ der Arizona State University in Phoenix. Selten zuvor habe ich einen solch beeindrucken Vortrag über die Navajo-Kultur, den aktuellen Problemen, ihren Visionen etc. gehört.

Die Mischung aus Seriosität und indianischem Humor war einfach klasse u. ließ keine Sekunde Langeweile aufkommen. U.a. habe ich erfahren, dass die Navajo Nation nunmehr vier Casinos besitzt, dass man durch den Bau viele Arbeitsplätze für die eigenen Leute geschaffen hat. Mehr als 90% der Angestellten sind Angehörige der Navajo-Nation. Man ist besonders stolz auf diese Leistung, gibt es doch im Reservat so gut wie keine Arbeitsplätze. Die Arbeitslosigkeit ist enorm hoch, ebenso die Selbstmordrate unter Jugendlichen.

Eine der wenigen Möglichkeiten, im Reservat überleben zu können ist die Kunst, bzw. der Verkauf von Handarbeiten wie z.B. die Herstellung von Schmuck, Korbwaren, handgewebten Teppichen usw. Leider landen diese einzigartigen Kunstgegenstände oft in den Händen von Händlern, die die indigenen Künstler schlecht bezahlen, die Handarbeiten (Teppiche, Schmuck, Adobe-Kunst usw.) aber zu horrenden Preisen an Touristen, bzw. wohl situierte Amerikaner weiter verkaufen.

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Mit diesem einmaligen Naturschauspiel wurde ich in Flagstaff begrüßt (im Hintergrund die San Francisco Peaks)

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Radmilla stellt mir Herrman, ihren Onkel, vor. Er schreibt zum Teil ihre Songs und produziert sie

Schafe, die genauso wie die Sprache zur Kultur der Navajos gehören, gibt es immer weniger. Ich habe z.B. bisher nicht ein einziges Lamm in der Reservation gesichtet. Die Auflagen von staatlicher Seite, Viehzucht zu betreiben, werden von Jahr zu Jahr höher.

Die Jugendlichen wollen (oder können) nicht im Reservat bleiben, da die Exitenzgrundlagen fehlen. Mit den Casino-Einnahmen sollen in erster Linie soziale Programme gefördert werden, außerdem wächst die Nation (starke Geburtenraten) und man benötigt mehr Land, das mit dem erwirtschafteten Geld erworben werden soll.

Erhalten z.B. Indianer in Kalifornien oder in Florida oft unglaubliche Summen, wenn sie Angehörige eines Casino Tribes sind (monatlich bis zu US $ 50 000 sind keine Seltenheit), denkt man bei den Navajos anders. Als größte indianische Nation (neben den Cherokee), bei denen sich ständig neue Clans bilden, würde eine Aufteilung der Casino-Einnahmen auch wenig Sinn machen. Die inzwischen mehr als 330 000 Mitglieder würden wohl nicht mehr als monatlich US $ 10 erhalten, würde man die Casino-Gelder unter den Stammesangehörigen aufteilen.

Bedingt durch die starke Geburtenrate, soll mit den Casino-Einnahmen Land hinzugekauft werden. Das birgt neue Schwierigkeiten, denn innerhalb des Navajo Reservats befindet sich das wesentlich kleinere Hopi-Reservat. Allerdings zeigen sich die Hopi-Angehörigen und deren Repräsentanten alles andere als willig, den Navajos Land zu verkaufen. Die Gefahr, dass alte Konflikte wieder aufbrechen, ist auf jeden Fall gegeben und angeblich soll es zwischen den beiden Nationen auch schon ziemlich „brodeln“, wie mir Radmilla erzählt. Ihre Großmutter Dorothy hätte ihr z. B. erzählt: „Kind, du kannst von mir aus einen Navajo, einen Schwarzen oder sogar einen Weißen heiraten, aber bitte keinen Hopi.

Von Angehörigen der Hopi-Nation habe ich erfahren, dass das Abkupfern ihrer Kulturgüter einer der Streitpunkte sei. So stellen Navajo-Künstler wohl Kachina-Figuren und andere spezifischen Dinge aus der Hopi-Kultur her und verkaufen diese als religiöse Relikte der Navajo-Kultur an Touristen und Sammler.

Auch Petersen Zah, der an einer guten Zusammenarbeit aller Stämme interessiert ist, bestätigt, dass es kaum etwas Schlimmeres gäbe als die „Indian Politics“ und betont gleichzeitig, welche Macht die indianischen Nationen hätten, würden sie besser zusammenarbeiten.

Radmilla stellt mir nach Beendigung der Veranstaltung ihren Onkel (Herman) vor, der zum Teil ihre Songs schreibt und sie mit produziert. Der Gewinn des Native American Music Award (bestes Album) vor wenigen Wochen sowie die Nomminierung für den Musik Grammy in der Sparte „Roots Music“ hat Radmillas Bekanntheitsgrad und ihr Ansehen (und ihren Marktwert) nochmals enorm steigen lassen. Gleichzeit spürt sie aber auch die zunehmenden Anfeindungen (Neid) aus den eigenen Reihen, die hauptsächlich über ihre Hautfarbe (du bist eine Schwarze und keine Navajo) geäußert werden.

Dabei sei der Begriff „Bitch“ noch der harmloseste Ausdruck, gibt sie mir zu verstehen. Täglich muss sie äußerst rassistische Äußerungen auf ihrer Website löschen. Mit dem Erfolg wächst der Druck auf ihre Person, möglichst perfekt zu sein, sich keine Fehler zu leisten, insbesondere, wenn es um ihr soziales Engagement geht, da sie unter ständiger Beobachtung steht. Gemeinsam sind wir z.B. zu einer Talent Show ins Hopi-Reservat gefahren. Dort rangen sich gleich viele Jugendliche um sie und sie musste pausenlos Autogramme geben.

Hinzu kommt noch, dass sie im Moment ihren 26-jährigen Bruder bei sich beherbergt, der eine Bewährungsstrafe (6 Monate) erhalten hat.

Ihre Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist (ihre Mutter hatte Alkohol- und Beziehungsprobleme), lebte mitten im Reservat, in der totalen Einöde. Ich hatte Radmilla gefragt, ob sie mir zeigen würde, wo sie aufgewachsen ist. Das hat sie dann auch gerne getan und mir ganz viel aus ihrer Kindheit und ihrer Beziehung zu ihrer geliebten Großmutter erzält. Irgendwann konnte sie ihre Tränen nicht mehr halten. Dorothy, die Großmutter, ist vor ein paar Monaten gestorben. Das ist dann die andere Seite, wenn man so bekannt ist und viel Erfolg hat… Die Person, an der sie sich anlehnen konnte, ist plötzlich nicht mehr da. Beziehungen, bzw. Partnerschaften sind schwierig, sagt sie, weil sie als Person dauernd im Mittelpunkt steht und so viel unterwegs ist.

Ich war selbst total überrascht, wie offen sie mir zu mir war und habe – neben der taughen und selbstbewussten – eine völlig andere Seite von Radmilla kennengelernt, sehr sensibel, verletzlich und eher verunsichert, was ihre Zukunft betrifft.

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Hier, inmitten der Wüste, in der Nähe der Grandfalls (Little Colorado River) ist Radmilla bei ihrer Großmutter aufgewachsen, hat Schafe gehütet und musste oft viele Kilometer zu Fuss gehen. Einige Pfade hat sie mir gezeigt.

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Das Foto zeigt sie mit dem tollen Fotografen John Running, der professionelle Fotos von ihr macht, sowie die Plakate und Cover für ihre CDs gestaltet.

Während meines Aufenthaltes hat sie mir u.a. Steve, einen Freund der Familie, vorgestellt. Steve war viele Jahre ein sehr anerkannter Richter in Flagstaff, bevor er pensioniert wurde. Bereits während seiner Amtszeit, war er bei den Navajos ein sehr angesehener Medizinmann. Gemeinsam mit Radmilla lädt er mich in seinen Hogan ein, der ca. 100 m entfernt von seinem Haus steht. In der Mitte des Hogans ist eine kleine Feuerstelle angerichtet. Radmilla gibt mir per Handzeichen zu verstehen, dass ich im Uhrzeigersinnn um diese herumgehen und auf der anderen Seite Platz nehmen solle. Dieses Ritual war mir schon von meinen Besuchen des Medicine Wheels in den Little Bighorn Mountains, in Wyoming bekannt. Dort erklärte mir ein Arapaho-Indianer, dass ich immer im Uhrzeigersinn um das Medizinrad herumgehen solle.

Steve erzählt mir, dass er verheiratet ist, zwei Söhne und eine Tocher hat und seine Frau eine Ute sei. Sein Großvater, der deutsche Wurzeln hatte, ist im Korea-Krieg gefallen. Insofern hatte er ihn nie kennengelernt, teilt er uns mit. Wenn ich Fragen hätte, könne ich diese ruhig stellen, dabei aber bitte auf wissenschaftliche verzichten, da er weder Anthropologe noch Ethnologe sei, gibt er mir zu verstehen. Während er uns über seine Familie, die Navajo-Kultur und die Wasserproblematik im Reservat erzählt, raucht er Kräuter (indianischen Tabak), die er selbst gesucht hat. Gerne würde Steve Deutschland besuchen. Bisher hat sich die Möglichkeit aber leider nicht ergeben, erklät er uns. Allerdings hat er Schweizer Freunde, die ihn immer sehr gut behandelt hätten, lässt er uns wissen. Unter diesen Freunden befindet sich auch eine Heilerin, mit der er sich regelmäßig austauschen und die er sehr schätzen würde.

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Navajo-Hogan (modern)

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Medicine Wheel, Little Bighorn Mountains, WY

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Mit Radmilla im Sedona-Nationalpark…

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…und im Flagstaff-Museum

Radmilla lädt mich zum Geburtstag ihrer 17-jährigen Schwester nach Leupp ein. Der kleine Ort hat ca. 1000 Einwohner und liegt ca. eine gute Autostunde von Flagstaff entfernt, im Navajo-Reservat. Aus Anlass des „Father`s Day“ findet an der Ortseinfahrt von Leupp ein großer Flohmarkt statt. Unter den vielen Anbietern, gibt es niemanden, der Radmilla nicht kennt. Viele Hände muss sie schütteln, wird nach ihrer neuesten CD gefragt und gibt bereitwillig Autogramme. Sie stellt mich allen als „Gutner“ ihren Freund aus Germany vor.

Unter ihren Familienangehörigen und Freunden befinden sich ehemalige Angehörige des US- Militäs, die in Nürnberg, Würzburg und Aschaffenburg stationiert waren und mich voller Stolz an ihren Deutschkenntnissen teilhaben lassen. Wie nicht anders zu erwarten war, schneidet der Begriff „Bratwurst“ dabei am besten ab. Die beste PR im Ländervergleich macht eindeutig Bayern, denn „Oktoberfest“ ist auch den Navajos ein Begriff, die noch nie in Deutschland waren. German Beer steht in der Beliebtheitsskala ebenfalls ganz oben.

Um die ungesunde Ernährungs-Diskussion in andere Bahnen zu lenken, bringe ich Fry Bread ins Spiel und werde kurzum zu einem Trailer geleitet, in dem eine ca. 90 Jahre alte Navajo das lecker schmeckende Fladenbrot zubereitet. Die beiden Männer, die mich begleiten, stellen mich ihr in der Navajo-Sprache vor, da sie wohl nur sehr wenig Englisch vesteht. Lächelnd reicht sie mir das Fladenbrot entgegen, das ich sogleich genussvoll verspeise.

Anschließend lerne ich Radmillas Cousine Kim kennen. Sie hat bereits mehrere Auszeichnungen für ihre Perlenarbeiten erhalten, zeigt mir Halsbänder, Armreifen, Lederarbeiten und Handtaschen, die sie kunstvoll bestickt hat und breitet auf der Ladefläche ihres Trucks einige Muster aus, die sie bearbeiten will.

Schon lange habe ich die Idee, mir für meine beiden Geigenkoffer eine größere Ledertasche anfertigen zu lassen, die mit Perlen und indianischen Mustern bestickt ist. Nun war wohl die Zeit dafür gekommen, und ich habe Kim gefragt, ob sie mir aus Hirschleder und mit Perlen bestickt, eine solche Tasche herstellen könnte. Das sei mal was ganz Neues, meinte sie zu mir, fand die Idee klasse und hat sofort eingewilligt. Im Nu hatte sie Papier, Bleistift und eine Schere zur Hand, während ich mich zu meinem Auto begab, um die Geige zu holen.

Als ich zurückkam, war bereits eine eifrige Diskussion zwischen Kim, Radmilla und Radmillas Mutter im Gange, welches Design wohl am besten passen würde. Die drei Frauen einigten sich auf traditionelle Navajo-Designs, die überwiegend in der Farbe Türkis gehalten werden sollen. Meine Farbvorstellungen wurden als eher unpassend bewertet. Wir sind hier traditionell matrilinear orientiert gab mir Radmilla zu verstehen, was bei den Frauen und einigen Navajos, die inzwischen die Diskussion neugierig verfolgten, großes Gelächer hervor rief. Anschließend einigte ich mich mit Kim auf einen Preis, der sehr sehr freundschaftlich ausfiel. Vier bis fünf Monate wird sie wohl benötigen und mir die Ledertasche dann auf dem Luftpostweg zusenden.

Nachdem die Konditionen mit Kim geklärt waren und ich eigentlich vor hatte, nach Gallup aufzubrechen, um mich mit Filmemacherin Melissa Henry zu treffen, brachte sich Radmillas Mutter ins Gespräch und meinte, ich müsste noch einen Tag verlängern, da sie unbedingt noch einen Geiger für den Gottesdienst benötigen würden. Radmillas Mutter und viele der in Leupp wohnenden Navajos sind christianisierte Indianer, die sich jeden Sonntag in einem größeren Gebetshaus treffen, das Gemeindemitglieder in Eigenarbeit errichtet haben und das ich mir unbedingt ansehen müsse.

Wie der Zufall so wollte spazierte just in diesem Moment, David, einer der Kirchenmusiker vorbei, den mir Radmillas Mutter sogleich vorstellte und ihm voller Überzeugung mitteilte, dass ich die Band morgen mit meiner Geige unterstützen würde. Als ich zögerte, meinte sie, denk an Radmillas Worte: „matrilinear“…Ich grinste und meinte nur, okay, überredet. David war über meine Einwilligung begeistert.

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Fiddln mit Navajo-Fiddler David

Der Gottesdienst war für mich als nicht-Kirchgänger sehr interessant, weil er größtenteils auf Navajo gehalten wurde. Ich wusste z. B. gar nicht, dass die Bibel in Navajo – Dené – übersetzt worden ist. Auch sonst war alles anders, die Kids sprangen rum, jeder/e der/die Lust hatte, konnte eine Geschichte erzählen, außerderm wurde viel gesungen und gelacht.

Da es an diesem Tag so furchtbar heiss war (40 Grad), wurden alle Türen geöffnet, dadurch zog der Duft von gegrillten Steaks, die vor der Kirche für rund 100 Leute zubereitet wurden, ins Gebäude. Irgenwann hielt es dann niemand mehr auf den Sitzen und so wurde die Veranstaltung abgebrochen, weil die Gaumenfreuden wichter waren. Es gab traditionelle Navajo-Kost (Lammkottlets, Mais, Fladenbrot und Selbstgebackenes). Vor dem Essen begrüßte ich, wie traditionell üblich, die Ältesten. Unter ihnen befanden sich über 90-jährige Frauen in einzigartiger Regaliar (ein besseres Wort, als „Tracht“ fällt mir im Moment nicht ein), die kein Wort englisch sprechen können. Ich war zu tiefst beeindruckt von den ausdrucksvollen Gesichtern und von der Berührung ihrer Hände. Viele dieser Frauen sammeln täglich noch ihre Heilkräuter in der Wüste.

Mit Filmemacherin Melissa Henry

Rund 200 km östlich liegt Gallup, meine nächste Station und angeblich das Herz von Navajo Country, wie es große Werbeplakate in der Stadt verkünden. Mit Filmemacherin Melissa Henry und ihrem peruanischen Mann Alfredo, der gleichzeitig der Produzent ihrer Filme ist, habe ich mich im Park vor dem Galluper Gerichtsgebäude verabredet. Mit Melissa pflege ich seit über zwei Jahren eine Facebook-Freundschaft, von daher kannten wir uns bereits recht gut und unser erstes Zusammentreffen war dann auch entsprechend herzlich. Da wir alle noch nicht gefrühstückt hatten, entschieden wir uns, beim Mexikaner einzukehren. Auf dem Weg zum Lokal gab mir Alfredo den Rat, mir regelmäßig die Hände zu waschen, bzw. zu desinfizieren, da die Stadt Syphillis verseucht sei. Ich schaute ihn ziemlich ungläubig an.

Er lachte und meinte, dass das kein Witz sei. Gallup sei dafür landesweit bekannt. Nach einem ausgedehnten Frühstück und guter Unterhaltung, luden mich die Beiden in ihren Hogan ein, der ca. 30 Min Fahrzeit von Gallup entfernt in der Reservation steht. Melissa und Alfredo waren erst vor kurzem von Albuquerque zurück in die Reservation gezogen u.a., weil ein Großteil ihrer technischen Ausrüstung geklaut wurde. Melissas Eltern – ihr Vater ist ein sehr anerkannter Medizinmann – stellten ihnen den Hogan zur Verfügung. Melissa nimmt derzeit an einem Programm „Artist in Residence“ teil und kann sich deshalb ganz auf ihre künstlerische Arbeit konzentrieren, da das Programm finanziell unterstützt wird. Allerdings musste sie dafür ihre Lehrtätigkeit aufgeben, wie sie mir erzählt, ansonsten hätte sie keine Unterstützung erhalten. Verpflegt werden die Beiden mehr oder weniger von Melissas Eltern, da das wenige Geld, das sie über das Programm erhält, kaum für eine Person reicht.

Melissa zeigt mir einige ihrer über 200 Bilder, die sie für einen Animationsfilm gemalt und gezeichnet hat. Der Grobschnitt ist bereits erledigt und demnächst folgt die Feinarbeit. Ich konnte mir die witzige Geschichte (sie lässt ihren schwarzen Kater ins Weltall fliegen) auf ihrem Großbildschirm anschauen. Anschließend stellt sie mir „Ross“ das Pferd vor, das in ihrem Kurzfilm „Horse You See“, die Hauptrolle spielt. Auch ihren Hund, der in einem weiteren Kurzfilm die Hauptfigur mimt, lerne ich kennen.

Nachdem ich Melissa unsere bisherigen Festivalplanungen vorgestellt und sie nach Stuttgart eingeladen habe, fahren wir noch ein paar Kilometer weiter ins Reservat hinein, um Sage zu pflücken und zu schneiden, da ich den Wunsch geäußert hatte, ein paar Bündel nach Deutschland mitzunehmen, um es den Kindern im Rahmen der Indianerwoche zu zeigen.

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Besuch bei Navajo-Filmemacherin Melissa Henry und ihrem Mann Alfredo (ist Peruaner und lässt sich ungern fotografieren)
Melissa hat mir alle ihre Bilder gezeigt, die sie für ihren Animationsfilm gemalt und gezeichnet hat. Wir waren bei Wal Mart, haben viel gelästert und gingen gemeinsam Frühstücken beim Mexikaner.

Auf der Fahrt nach Santa Fé habe ich mir das Acoma Pueblo, auch Sky City genannt, angesehen. Die Acoma sind einer von 19 Pueblo-Stämmen, die in New Mexico beheimatet sind. Sie leben westlich von Albuquerque. Der Name stammt von der indianischen Bezeichnung Akoma und bedeutet Volk vom weißen Felsen. Das Reservat wurde auf dem Gebiet von drei traditionellen Wohnstätten der Acoma errichtet, darunter dem eigentlichen Acoma-Pueblo (auch „Sky City“ und von den spanischen Missionaren Königtum von Acus genannt), der Hauptsiedlung der Acoma, die auf einer Mesa, rund 120 m über der Steppe liegt.

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With „Fidel“ in Cuba

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Santa Fé Museum of Contemporary Native Arts

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„Online on the Rez“

Kurz, nachdem ich mein Motel in Santa Fé bezogen hatte und meine vielen Mails checkte (im Reservat war das Wireless Internet ganz schlecht, bzw. funktionierte überhaupt nicht) befand sich unter diesen auch eine Mitteilung von Elmar Biebl, dem deutschen Journalisten, der in LA über die Golden Globe- u. die Oscar-Verleihung schreibt und den Klaus Tornow bereits im Mai auf seiner USA-Reise getroffen hatte. Klaus hatte mir freundlicherweise schon Kontakt zu Elmar Biebl hergestellt. Elmars Interviews und Reportagen über die Hollywood-Stars sind in Deutschland sehr gefragt.

Die „Bunte“, die Stuttgarter Zeitung und der „Spiegel“ – um einige zu nennen – sind Abnehmer seiner Interviews und Bild-Reportagen aus Hollywood. Rein zufällig befand sich Elmar Biebl am Tag meiner Ankunft ebenfalls in Santa Fé, da er in einem Resort, etwas außerhalb der Stadt gelegen, einen Interview-Termin mit Johnny Depp hatte. Der Schauspieler brachte fast die gesamte Filmcrew des neuen Spielfilms „Lone Ranger“ mit. Lone Ranger ist eine US-Kultserie aus den 50er Jahren, die kürzlich mit Johnny Depp neu verfilmt und überwiegend im Navajo-Reservat  (z.B. Canyon de Chelly) gedreht wurde.

Elmar Biebel schlug mir vor, sich gleich im Anschluss an das Interview mit Johnny Depp in seinem Hotel zu treffen. Gesagt, getan. Fast drei Stunden unterhielten wir uns angeregt über Johnny Depp, den Lone Ranger Film und über das INDIANER INUIT FILM FESTIVAL. Ich habe Elmar detalliert mitgeteilt, auf welchem Stand sich das Festival befindet und habe ihm bereits alle Unterlagen digital zukommen lassen. Er will unsere Planungen und das Festival mit seinen Kontakten unterstützen. Er selbst findet die indianischen Kulturen beeindruckend, da er mit Karl May-Büchern und Filmen aufgewachsen ist und sich in den 70er Jahren alle Italo-Western reingezogen hat, wie er mir lächelnd mitteilt. Er ist der Meinung – und diesbezüglich kann ich ihn bestätigen – dass wir unbedingt ein „Festival-Board“ etablieren sollten, wie es z.B. in den USA u. Kanada üblich ist.

Dieses sollte aus rund 15-20 Personen bestehen, die möglichst international bekannt sind und eine guten Ruf haben. Schauspieler, Medienfachleute, Politiker, Uni-Professoren und Manager aus der Wirschaft sollten Mitglieder des Boards sein. In erster Linie sollen die angefragten Personen mit ihren Namen das Festival unterstützen und brauchen ansonsten nicht viel tun. Es dient einfach dazu, unsere Veranstaltung PR-mäßig auf einen höheren Level zu bringen, damit es von potentiellen Sponsoren aus der Wirtschaft und Industrie ernst genommen wird. Außerdem ist er der Meinung, dass das Festival jedes Jahr stattfinden müsste, da die Zeit so schnelllebig geworden ist und es deshalb schnell wieder in Vergessenheit gerät. Nach unserem fast dreistündigen Gespräch, brach Elmar auf und flog nach LA zurück.

Um noch etwas den Spätnachmittag zu genießen, habe ich mich anschließend vom Hotel aus zu Fuss auf den Weg nach Santa Fé gemacht. Nachdem ich mir einen Kaffe besorgt hatte, wollte ich es mir auf der Plaza gemütlich machen und dem quirligen Treiben zuschauen. Alledings kam es nicht dazu, denn auf dem Weg dorthin, lief mir völlig überraschend der indianische Schauspieler Zahn McClarnon über den Weg. Ich sprach ihn an und begrüßete ihn, war ich doch der festen Überzeugung, ihn beim AIFF in San Francisco schon einmal getroffen zu haben, aber er verneinte und meinte, Mike hätte ihn noch nie eingeladen…

Wir haben uns sehr gut unterhalten. Ich habe ihm die Infos über das Filmfestival mitgeteilt und er erzählte mir, dass er gerade eine Woche lang in Santa Fé für eine neue Serie drehen würde. Eine Filmschülerin, die zufällig vorbeikam und Zahn um ein Autogramm bettelte, schoss das Foto von mir und dem Schauspieler. Zahn spielte in Filmen und Serien mit, wie z. B. „Into the West“, „Dangerous Minds“, „Walker, Texas Ranger“, „Baywatch“ usw.

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mit Schauspieler Zahn McClarnon

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Das Acoma Pueblo liegt ca. 120 m hoch auf einer Mesa

Am nächsten Tag brach ich nach Taos auf, um mir das legendäre Pueblo anzusehen. Ich habe dort viele Fotos gemacht, die mit einem Text (in Englisch) auf die die INDIANER INUIT – Facebook-Seite gepostet habe.

Wer mehr Fotos vom Pueblo sehen möchte, muss den Link anklicken: https://www.facebook.com/media/set/?set=a.10151471594596921.1073741827.536871920&type=1

Taos Pueblo – Over 1000 Years of Tradition – Taos Pueblo is probably the oldest of the 21 that exist in the US SW. Pueblo peoples have lived in the American Southwest for thousands of years. Their ancient ruins, particularly Ancestral Puebloan cliff dwellings, are among the most spectacular ancient ruins in North America. By the end of the severe, prolonged droughts in the late fourteenth century they had relocated to the vicinity of their modern communities primarily located within the watershed of the upper Rio Grande River Valley in New Mexico and the watershed of the Little Colorado River in Arizona.

The pueblo tribes represent several distantly related language families and dialects, and they have continued to maintain close contact with each other since the arrival of Europeans in the region in the sixteenth century. Today the 19 pueblos of New Mexico cooperate in a loose confederation called the All Indian Pueblo Council. Each pueblo is autonomous and has its own tribal government.

The Pueblos have been able to retain a tribal land base, retain a strong sense of community, and maintain their languages and cultures. The name Pueblo is the same as the Spanish word for village and denotes both the people and their communal homes. The word TEWA means „People of the Round Earth“.

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Von Taos fuhr ich viele Kilometer weiter, ins Innere New Mexicos, durchquerte Steppen- und Wüstengebiete, bis ich nach einigen Stunden Fahrt beim Annual Rocky Ridge Powwow eintraf. Das Powow ist eher eine kleine und familiäre Veranstaltung und wird von Navajos organisiert, zu deren Kultur ein solches Tanzfest eigentlich gar nicht gehört; aber wie viele andere indinanische Nationen in den USA und in Kanada, haben sie die Powwow-Tradition der Plains-Indianer übernommen. Dort habe ich übrigens vor vier Jahren das Foto von den Tiny Tots aufgenommen, das für unser kommendes Festival 2014 Verwendung gefunden hat. Ich traf am Spätnachmittag in Rocky Ridge ein.

Das Besondere an dem Tanzfest ist, dass es rund 40 Meilen vom nächsten Ort entfernt, mitten in der Prärie liegt. Und dieses Jahr war die Atmosphäre eine ganz besondere, denn am Tag der Veranstaltung, war Sommersonnenwende und am Abend zeigte sich der „Super Moon“, wie die Amerikaner ihn nennen. Bis 22.00 Uhr habe ich das Powwow verfolgt, wurde sehr freundlich aufgenommen und neugierig beäugt, denn in diese Einöde hat sich wahrscheinlich noch kein Nicht-Indianer begeben.

Einer der Ältesten, ein Vietnam-Veteran, fragte mich, woher ich denn käme. Ich sagte aus Deutschland. Er schaute mich ungläubig an und war fest davon überzeugt, dass ich mich verirrt hätte. Ich erkläre ihm, dass ich vor vier Jahren das Powwow schon einmal besucht hätte, von daher kannte und es vor einigen Tagen im Internet recherchiert hatte. Das fand er großartig, informierte seine Familie, die mir umgehend eine Sitzgelegenheit anbot. Kinder boten mir, kaum dass ich meinen Sitzplatz eingenommen hatte, gekühlte Getränke und Chips an.

Wieder habe ich zwei schöne Fotos vom Tiny Tots Tanzwettbewerb aufgenommen, die ich hernach auf unsere Facebook-Festival-Seite ins Internet gestellt habe. Das eine Foto wurde bereits nach kurzer Zeit weit über 5000 Mal angeklickt und von über 60 Leuten „geshared“.

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Tiny Tots Contest at Rocky Ridge Powwow, NM

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Young Grass Dancer (Tiny Tots Contest) at Rocky Ridge Powwow, NM

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Büffeltanz im Ohkay Owingeh Pueblo